Eine Polemik zum Kommerz
“Fußball mit Herz statt Kommerz” stand kürzlich auf einem Transparent zu lesen. Aufgehängt von halbgaren Traditionsjüngern des 1. FC Lok anlässlich des Pflichtspieldebüts von RB Leipzig. Ein Bekenntnis sollte es sein, ein Bekenntnis zum “ehrlichen” Fußball und eine Absage an den ach so schlimmen kommerziellen Retortensport. Letztendlich ist es aber nichts anderes als der Abgesang auf die eigene Reflexionsfähigkeit. Denn Fußball war außerhalb der sozialistischen Hemisphäre immer Marktwirtschaft und damit per se gleichzeitig kommerziell.
Schon im ausgehenden 19. Jahrhundert war eine Vielzahl der englischen Vereinspräsidenten gleichzeitig Inhaber der jeweiligen Stadionpinten. Sie hatten somit ihre Hände auf der lukrativen Stadiongastronomie und nutzten dadurch die Anziehungskraft des Fußballs zur Steigerung des eigenen Umsatzes. Doch niemand würde sie rückwirkend des Kommerz’ bezichtigen. Jeder mehr oder weniger erfolgreiche Verein ist ein Anziehungspunkt und wird damit zum Werbeträger. Selbst der 1. FC Lok, dessen Fans so lebhaft gegen RB Leipzig agitieren, verkauft seine Brust, seine Banden, sein Stadionheft an Geldgeber und handelt damit in kommerzieller Absicht. Auch Lothar Matthäus’ Gastauftritt im blau-gelben Lok-Trikot war lediglich ein kommerzträchtiger PR-Gag. Was ist an diesem Verein also ehrlicher und vor allem unkommerzieller als an anderen? Was macht Schalke 04 oder Borussia Dortmund zu ehrenwerteren Vereinen, wenn der eine seine Reputation hergibt, um eines der skrupellosesten Unternehmen der Welt reinzuwaschen, während der andere an die Börse geht?
Clubs wie der VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen erscheinen vor diesem Hintergrund in einem ganz anderen Licht. Dahinter stecken jeweils enge Bindungen des Hauptgeldgebers an die Stadt und seine Einwohner, trotzdem müssen diese Vereine immer wieder herhalten, wenn es um negative Beispiele ausufernder Kommerzialisierung geht. Diese Dämonisierung macht keinen Sinn, schon gar nicht in Zeiten, in denen das Fehlen eines Trikotsponsors als Makel gilt und angeblich kommerzkritische Ultras ihr eigenes Merchandise verkaufen, um damit ihren Kult zu vermarkten. In der vorigen Saison galt die TSG Hoffenheim lange als die Ausgeburt des Bösen. Fans der Borussia Dortmund AG gingen gar so weit, Dietmar Hopps Konterfei mit einem Fadenkreuz zu versehen. Dabei wird doch schon früh gelehrt, nicht im Glashaus sitzend mit Steinen zu schmeissen. Eigentlich ist die TSG der unkommerziellste Klub im ganzen Profifußball, aufgebaut einzig und allein mit dem Privatvermögen eines Mannes, der er sich leisten kann, seinen Kindheitstraum zu erfüllen. Trotzdem wird der Kommerzteufel allzu oft in ein blau-weißes TSG-Trikot gesteckt, womit sich der Hund in den Schwanz beisst. Es gibt keinen unkommerziellen Fußball, sondern nur Phantomschmerzen.



Ach, Du bist so unromantisch… Kommerz hat es im Fußball doch NIE gegeben, sieh das endlich ein!
Bei so einem sensiblen Thema so einen oberflächlichen Beitrag darüber zu schreiben – das finde ich doch sehr bedenklich.
Dazu kommen inhaltliche Fehler die ich sonst nur in einem Bild-Forum erwartet hätte.
Schade.
Das heisst in der Bild selber hättest Du einen inhaltlich korrekten Beitrag erwartet? Respekt..
Lieber Peter,
über dem Text steht “Polemik”. hast du möglicherweise überlesen. Ansonsten: Inhaltliche Fehler? Ich bin ganz Ohr..
Also mir ist der Beitrag – als Polemik verstanden – nicht bissig genug. Inhaltlich teile ich den Standpunkt durchaus, dass es vielen Kritikern am geeigneten Maßstab fehlt, an dem sich die Kritik messen und auch auf sich selber beziehen ließe. Ähnlich geht es leider auch im Beitrag, da werden mir zu viele Kritiker (diverse Ultras) und Angriffspunkte (RB, Werkstöchter und TSG) in einen Topf geworfen. Deswegen ist der Beitrag nicht polemisch, sondern letztlich diffus schwach, weil er gegen alles argumentiert, aber keine klare Linie erkennen lässt. Aber gerade die klare Abgrenzung gegen einen anderen Standpunkt zeichnet doch eine Polemik aus. Insofern schliddert der Beitrag in die abgründige Diffusität seines Themas.
Moin kickNwrite,
nette Seite habt ihr hier.
Mit einem leichten Genuss las ich im 11Freunde-Beiheft diese Zeile:
“Wer steigt ab? … Paderborn in der Relegation gegen Osnabrück” – stand übrigens 1 zu 1 genauso beim St.Pauli- & Alemanniakollegen LOL.
Tja, mit der alten inhomogenen Truppe & Pele war leider in der Rückrunde rein gar nix mehr zu holen. 2010 ist vllt. unrealistisch, aber 2011 schau ich mir gerne die gepimpte AF an. Bis auf die “Haupttribüne” hab ich alle Kurven durch & das mehr als ein Dutzend mal mit (Alt-Unioner) & gg Union.
Grüsse von der Bremer Brücke
btw: Sorry, kein Plan wie & wo eure eigentliche Mailadresse ist.
Lieber Enno,
das nenne ich mal eine fundierte und stichhaltige Kritik. Vielen Dank dafür! Bevor es zu Mißverständnissen kommt: das ist nicht ironisch gemeint.
Ganz so oberflächlich, wie es im BILD Forum zugeht, ist der Artikel nun auch nicht
Aber wer im BILD Forum ordentliche Beiträge sucht, der ist ja eh verrückt…
Ich verstehe die Kommerz-Debatte eigentlich überhaupt nicht…
Hihi:
1. http://bit.ly/fVXtK
2. http://bit.ly/f3zEK
Ansonsten will ich mal sagen, dass sich der BVB und alle Ultras sich von diesem einen Fan danach distanziert haben, der diese Fahne von Hopp hochgehalten hat.
Nichts desto trotz macht was ihr wollt, Red Bull und co. Ihr werdet ja sehen was ihr davon habt.
@Matthias: Gerne. Es soll das ja noch geben: Ernsthafte Sport-Diskussionen im Internet. Aber sicher nicht in Foren, schon gar nicht bei der Bild…
@ Robert _
Schalke hat übrigens 5 Jahre mehr “Tradition” als Dortmund..